Neue Publikation: Woke Kulturpolitik
Woke bedeutet Wachsein für Diskriminierungen von Miderheiten. Zu den als diskriminiert bezeichneten Minderheiten werden Frauen, Farbige, Queere, Transpersonen, Menschen mit Behinderungen, Übergewichtige, Migranten, Migrantengruppen wie Muslime usw. gezählt. Was als eine berechtigte Haltung erscheint, entwickelt sich gegenwärtig zu einer alles umfassenden Ideologie und politischen Agenda. Im Kampf für die Minderheiten wird „von oben“ die ganze Gesellschaft umgestaltet – auch und vor allem die Kultur, denn die Kultur ist nicht bloß ein Inbegriff für höhere menschliche Leistungen, sie ist zugleich auch ihr Fundament. Was in der Kultur passiert, bestimmt entscheidend das Denken und Handeln der Menschen. Deshalb ist es wichtig, Hegemonie über die Kultur zu erlangen.
Die woke Kulturagenda fragt in erster Linie nicht nach der Qualität der Kunst, sie macht vielmehr darauf aufmerksam, dass im Kulturleben eine Diskriminierung besagter Gruppen stattfinde, dass die Angehörigen dieser Gruppen aus der Kultur ausgeschlossen oder darin „unterrepräsentiert“ seien. Andererseits werden diese Gruppen stark aufgewertet und idealisiert. Daraus folgend muss eine bevorzugte Behandlung dieser Gruppen durchgesetzt werden: Der Anteil der Angehörigen dieser Gruppen soll in der Kulturwelt erhöht werden. Und es wird immer häufiger gefordert, die Leistungen der Angehörigen dieser Gruppen zu kanonisieren. Kulturinstitutionen verlieren immer mehr den Status einer weltanschaulich weitgehend neutralen Einrichtung. Stattdessen werden sie zu Erziehungsanstalten.
Als Feindbilder der woken Kulturpolitik gelten die traditionelle Hochkultur mit ihren Idealen und strengen Qualitätsmaßstäben, der Eurozentrismus, das heißt die Vorstellung von der kulturellen Überlegenheit Europas bzw. des Westens und der (alte) weiße Mann als Kulturträger. Der Kampf gegen die traditionelle europäische Kultur, gegen ihre Ideale wie das der hohen künstlerischen Leistung und Kompetenz hat bereits deutliche Spuren in der Kulturwelt hinterlassen. Die Qualität der Kulturprodukte lässt immer mehr zu wünschen übrig. Jedes Bekenntnis zur europäischen kulturellen Tradition wird überdies zunehmend abgelehnt. Verbunden ist es häufig mit Oikophobie, mit dem Hass auf die eigene kulturelle Tradition. Fremde Kulturen werden hingegen romantisiert und idealisiert.
In der woken Kulturpolitik wird nicht davor gescheut, Wörter aus Büchern und Gemälde aus Museen zu enfernen, Musikwerke und Theaterstücke gar nicht oder nur in veränderter, „zensierter“ Form aufzuführen. Wer der woken Kulturpolitik widerspricht, wird nicht selten diffamiert, angefeindet und ausgegrenzt. Die sog. Cancel Culture breitet sich immer mehr auch im Kulturbetrieb aus. Ein Aspekt der Cancel Culture besteht darin, dass immer häufiger Männern abgesprochen wird, über Frauen, Weißen über Farbige, Heterosexuellen über Homosexuelle usw. zu urteilen. Im Kulturbereich wird gefordert, dass Weiße Gedichte von Farbigen nicht übersetzen, Musik von Farbigen nicht spielen oder über Kunstwerke von Farbigen nicht urteilen dürften. Durch solche Vorgaben, Direktive und Regelungen wird die künstlerische Freiheit massiv eingeschränkt. Kulturprojekte werden erst dann gefördert, wenn sie bestimmten woken Vorgaben entsprechen. Das betrifft zum Beispiel die Verwendung der „gendergerechten Sprache“, also des sog. Genderns, thematische Vorgaben wie die Berücksichtigung der Probleme und Interessen von Minderheiten und die Einhaltung von Quoten für „unterrepräsentierte“ Gruppen.
Die Autoren der Buchpublikation „Woke Kulturpolitik. Ursprünge, Erscheinungsformen, Auswirkungen“, darunter Künstler, Publizisten und Wissenschaftler, untersuchen kritisch Ursprung, Erscheinungsformen und Auswirkungen der woken Kulturpolitik. Zahlreiche Beispiele aus wichtigen Kulturbereichen wie Literatur, Musik, bildender Kunst, Film, Theater, Architektur, aber auch aus Bereichen wie Bibliotheken, Kulturveranstaltungen, Architektur, Werbung und Wissenschaft veranschaulichen ihre Darstellungen und Analysen. Einige Autoren thematisieren darüber hinaus Alternativen zur woken Kulturpolitik. Sie stellen folgende Fragen: Wie kann Kulturpolitik entideologisiert und entpolitisiert werden? Welchen Idealen soll sie folgen? Sollten Ideale wie Qualität, Freiheit, Kompetenz und Individualität wieder hochgehalten werden? Ist Freiheit der Kunst ein universelles Recht? Gibt es allgemeingültige Kriterien für die Beurteilung von Kulturprodukten? Mit Beiträgen von Ronald G. Asch, Sabine Beppler-Spahl, Anna Diouf, Michael Esfeld, Uwe Jochum, Lukas Katzmann, Birgit Kelle, Till Kinzel, Bruno Köhler, Adorján Kovács, Gunnar Kunz, Tom Sora und Alexander Ulfig.
Alexander Ulfig (Hrsg.), Woke Kulturpolitik. Ursprünge, Erscheinungsformen, Auswirkungen, Baden-Baden 2025, ISBN: 978-3-86888-221-6, Preis 19,95 Euro.
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