Die Überlegenheit des Buddhismus gegenüber anderen Religionen

“Im Okzident werden unter dem Begriff der Religion in der Regel die drei monotheistischen Religionen gefaßt, also das etwa dreitausendjährige Judentum, das aus ihm erwachsene etwa zweitausendjährige Christentum, „das Judentum für die Heiden“ gewissermaßen, und der mehr als ein halbes Jahrtausend später, im 7. Jahrhundert, in Arabien entstandene Islam. Diese monotheistischen Religionen beruhen jeweils auf (angeblichen) göttlichen Offenbarungen (Altes Testament, Neues Testament, Koran), und daher ist Glauben gefordert, also ein irrationaler Akt, ohne den der Anspruch dieser Religionen sofort zerfällt. Gleichsetzungen zwischen diesen drei Religionen verbieten sich zwar, aber es handelt sich bei allen um Irrationalismen, die einer Religionskritik zwar nicht standhalten, die sich aber als Doktrin und als lebensweltliche, religiös inspirierte Praxis bewahren und tradieren.”

Über den Buddhismus:

“Aus diesen Gründen handelt es sich nicht um einen Irrationalismus, sondern um einen praktischen Rationalismus oder um eine rationale Praxis, die von Gautama Buddha angeleitet worden ist. Die Bedeutung der umfangreich erhaltenen und dokumentierten Lehrreden des Buddha bestand und besteht darin, als Wegweisung zu dienen, nicht weniger, nicht mehr. Jeder Mensch kann diesen Weg gehen, wenn er das will, und jeder kann im Prinzip das Ziel erreichen.

Der Buddha wird zwar als Erleuchteter hoch verehrt, aber er ist kein Gott, sondern ein Mensch. Seine Alleinstellung ergibt sich daraus, dass er diesen Weg der Befreiung aus der leidhaften condition humaine entdeckt, selbst erfahren und über mehr als vierzig Jahre gelehrt hat. Alle Vorstellungen von Göttern oder Gott werden hier schlicht überflüssig. In diesem Sinne ist der Buddhismus atheistisch, und dennoch kann davon gesprochen werden, er sei spirituell. In sozialer Hinsicht sei angemerkt, daß die hinduistische Kastengesellschaft im Buddhismus negativ aufgehoben ist, d. h. im Sinne von: beseitigt, und dies ist ein historisch progressiver Sachverhalt. ”

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