Francis Bacon: der Begründer des modernen wissenschaftlichen Weltbildes

Der englische Staatsmann und Philosoph wurde am 22. 1. 1561 in London geboren. Nach dem Studium der Jurisprudenz in Cambridge und London wurde er mit 23 Jahren Abgeordneter im Unterhaus. Hierzu verhalf ihm seine Freundschaft mit dem Grafen von Essex. Um seine politische Karriere zu beschleunigen, stellte er sich ganz in den Dienst des englischen Königshauses. Auf Befehl der Königin betrieb er die Verurteilung seines Gönners, des Grafen von Essex, wegen Hochverrats. 1607 wurde Bacon oberster Kronanwalt, 1613 Justizminister, 1617 Großsiegelbewahrer, 1618 Lordkanzler und Baron von Verulam. 1621 wurde Bacon wegen Korruption verurteilt. Er entging zwar einer Gefängnisstrafe, alle seine Ämter und Würden wurden ihm jedoch aberkannt. Er starb am 9.4.1626 in London.

Bacon kann als einer der Begründer des modernen technisch-wissenschaftlichen Weltbildes bezeichnet werden. Wissenschaften und Philosophie sollen sich auf die durch Beobachtung und Experiment nachprüfbare Erfahrung (Empirie) stützen. Empirische Erfahrung wird zur einzig sicheren Quelle der Erkenntnis. Somit ist Bacon der Vorläufer des englischen Empirismus. Seine Werke sind für die Entwicklung der modernen naturwissenschaftlichen Methodologie und Denkweise maßgebend. In seiner Begrifflichkeit lehnt er sich jedoch sehr stark an die von Platon und Aristoteles beeinflusste Tradition der Scholastik an. Er steht noch mit einem Bein im Mittelalter, mit dem anderen in der Neuzeit.

Wissenschaftliche Methode muss sich auf Beobachtung und Experiment stützen. Durch Beobachtung und Experiment können wissenschaftliche Erkenntnisse nachgeprüft bzw. ausgewiesen werden. Sie basieren auf dem Gebrauch der menschlichen Vernunft und können deshalb als rational bezeichnet werden. Im Gegensatz dazu basiert der Offenbarungsglaube in der Religion nicht auf Beobachtung und Experiment.

Die Frage nach der Beschaffenheit der menschlichen Seele, z. B. ihrer Vermögen, kann nur von der rationalen Psychologie beantwortet werden (sie ist eine Frage des Wissens), die nach der Unsterblichkeit der Seele ist eine Frage des Glaubens.

Von besonderer Wichtigkeit für die Folgezeit ist Bacons Kritik an den Idolen. In seinem Hauptwerk „Novum Organum“ (1620; dt. „Neues Organ der Wissenschaft“, 1830) bestimmt er Idole als Trugbilder bzw. Vorurteile, die eine rationale, wissenschaftliche Erkenntnis verunmöglichen. Bacons Kritik wird auch als Idolenlehre bezeichnet.

Er unterscheidet vier Arten von Idolen: 1) die Idole der menschlichen Gattung (lat. „idola tribus“) sind unsere Neigungen, den Menschen zum Maßstab der Natur zu machen und in ihr menschliche Eigenschaften zu sehen; 2) die Idole der Höhle (lat. „idola specus“) sind individuelle Vorlieben, Wünsche und Standpunkte; 3) die Idole des Marktes bzw. der Gesellschaft (lat. „idola fori“) sind sozio-kulturelle Vorurteile, die meist durch falsche Zuordnung der Wörter zu den Dingen, also durch falschen Sprachgebrauch entstehen; 4) die Idole des Theaters (lat. „idola theatri“) sind Neigungen, sich an überlieferten Meinungen der Autoritäten, philosophischen Schulen und Kirchen zu orientieren, ohne sie in Frage zu stellen. Nur wenn man sich von diesen Vorurteilen befreit, kann man rational, d. h. gemäß der menschlichen Vernunft, denken und zur wahren Erkenntnis gelangen.

Für die Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnis ist die Methode der Induktion von zentraler Bedeutung. Gemäß dieser Methode wird von Einzelfällen, genauer: einzelnen Beobachtungen, auf das Allgemeine, auf allgemeine Regelmäßigkeiten und Naturgesetze geschlossen. Bacon spricht von einem Aufstieg von Einzelbeobachtungen zu allgemeinen Erkenntnissen.

Die gesellschaftlich-politische Vision Bacons wird in seinem utopischen Roman „New Atlantis“ (1627; dt. „Neu Atlantis“, 1890) geschildert. Bacon ist ein großer Verfechter der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung und der technisch-wissenschaftlichen Beherrschung der Natur und des Lebens. Wissenschaftliche Erkenntnis soll zur vollkommenen Herrschaft über die Natur führen. Das mit Hilfe der Wissenschaften gewonnene Wissen ist nach Bacon Macht. Durch den technisch-wissenschaftlichen Fortschritt sollen die Bedürfnisse der Menschen hinreichend befriedigt werden. Auf diese Weise kann der Frieden in der Gesellschaft gewährleistet werden. Quelle: Alexander Ulfig, Große Denker

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